Löwenzahn (Taraxacum officinale)
Trotz seines Rufes als Unkraut ist Löwenzahn eine äußerst nährstoffreiche und vielseitige Kulturpflanze. Im Hydroponiksystem kann er schnell und ertragreich wachsen, besonders für die Blatternte.
Botanischer Name: Taraxacum officinale
Familie: Asteraceae (Korbblütler)
Wuchstyp: Mehrjährige, krautige Pflanze, wird im Hydroponikgarten oft einjährig kultiviert.
Nutzbare Pflanzenteile: Blätter (jung für Salat, älter gedünstet), Blüten (für Sirup, Gelee), Wurzeln (geröstet als Kaffeeersatz).
Besonderheiten: Eine der anspruchslosesten und schnellwachsendsten Pflanzen für Hydroponik.
Nährwerte je 100 g
| Nährstoff | Menge |
| Energie | 45 kcal |
| Wasser | 85,6 g |
| Eiweiß | 2,7 g |
| Kohlenhydrate | 8,8 g |
| Ballaststoffe | 3,5 g |
| Kalzium | 187 mg |
| Kalium | 397 mg |
| Vitamin A (Beta-Carotin) | 7000 µg |
| Vitamin C | 35 mg |
| Vitamin K | 780 µg |
Anbauhinweise für den Hydroponikgarten
Löwenzahn ist ideal für Hydroponik geeignet. Er wächst schnell und ist relativ anspruchslos.
Systeme: NFT (Nährstofffilmtechnik), Deep Water Culture (DWC) oder Ebb- und Flut-Systeme mit einem geeigneten Substrat.
Substrat: Perlit, Steinwolle, Kokosfaser oder eine Mischung daraus. Die Wurzeln benötigen gute Belüftung.
Nährlösung (EC): 1.2 – 1.8 mS/cm. Ein leicht erhöhter Stickstoffanteil fördert das Blattwachstum.
pH-Wert: Optimal zwischen 6.0 und 6.5.
Aussaatzeitpunkte und Ernte
Aussaat: Ganzjährig möglich. Im unbeheizten Gewächshaus oder Indoor von Frühjahr bis Herbst.
Keimung: Lichtkeimer! Samen nur leicht andrücken, nicht mit Substrat bedecken. Keimdauer: 7-14 Tage bei 15-20 °C.
Ernte: Blätter: Erste Ernte ca. 4-6 Wochen nach der Aussaat. Äußere Blätter einzeln abschneiden („von außen nach innen“) für eine kontinuierliche Ernte. Alternativ kann die gesamte Pflanze auf ca. 2 cm über der Basis zurückgeschnitten werden, sie treibt dann neu aus.
Blüten & Wurzeln: Werden für spezielle Verarbeitungen benötigt und brauchen eine längere Wachstumsphase (8-12 Wochen).
Wachstumsbedingungen
Licht: Volle Sonne bis Halbschatten. Für kräftige, grüne Blätter sind 12-16 Stunden Licht pro Tag optimal (bei künstlicher Beleuchtung).
Temperatur: Optimal 15-22 °C. Löwenzahn ist kälteresistent, bei konstant über 25 °C können die Blätter anfangen zu schossen (Blütenbildung) und bitter werden.
Luftfeuchtigkeit: 50-70 %. Für eine gute Luftzirkulation sorgen, um Fäulnis zu vermeiden.
Schädlinge
Blattläuse: Besonders gerne an jungen Blättern.
Spinnmilben: Bei zu trockener und warmer Luft.
Trauermücken: Können im Substrat auftreten, sind aber weniger schädlich für die robuste Pflanze.
Krankheiten
Topfrotationsmöglichkeiten
Im Rahmen der Fruchtfolge ist Löwenzahn ein hervorragender Vor- und Zwischenfrucht.
Vorher: Nach stark zehrenden Pflanzen wie Tomaten oder Paprika, um überschüssige Nährsalze aufzunehmen und den Boden (bzw. das System) zu regenerieren.
Nachher: Gefolgt von schwachzehrenden Kräutern (Basilikum, Koriander) oder als Lückenfüller zwischen Hauptkulturen.
Nächste Kultur
Nach einer Löwenzahnkultur empfiehlt sich eine Gründüngung oder der Anbau von Leguminosen (z. B. Buschbohnen), um das System zu beleben. Bei vollständigem Austausch des Systems kann jede beliebige Kultur folgen.
Pflegehinweise
Wasser: Regelmäßige Kontrolle des Wasserstands und der Wurzeln. Keine Staunässe zulassen.
Belüftung: Eine gute Sauerstoffversorgung der Wurzeln ist essenziell. Belüftungssteine oder ein starker Wasserfall im Reservoir sind wichtig.
Rückschnitt: Regelmäßiges Ernten der äußeren Blätter fördert einen buschigen, kompakten Wuchs und verhindert vorzeitige Blütenbildung.
Reinigung: Abgestorbene oder vergilbte Blätter umgehend entfernen.
Düngung
Wachstumsphase: Verwende einen hydroponischen Spezialdünger mit ausgewogenem NPK-Verhältnis (z. B. 5-5-5 oder ein Blattgemüse-Dünger mit höherem Stickstoffanteil).
EC-Wert: Halte den EC-Wert konstant zwischen 1.2 und 1.6 mS/cm. Löwenzahn verzeiht leichte Schwankungen gut.
Wasserwechsel: Kompletter Austausch der Nährlösung alle 2-3 Wochen, zwischendurch mit klarem Wasser auffüllen.
Schädlingsbekämpfung
Vorbeugung: Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten. Für ausreichend Luftzirkulation sorgen.
Mechanisch: Bei leichtem Befall mit Blattläusen die Blätter mit einem starken Wasserstrahl abspülen oder Gelbtafeln gegen Trauermücken einsetzen.
Biologisch: Einsatz von Nützlingen (z. B. Florfliegenlarven gegen Blattläuse, Raubmilben gegen Spinnmilben) ist im Hydroponiksystem sehr effektiv und unbedenklich.
Zubereitung
Blätter: Junge Blätter eignen sich hervorragend als bitterer Bestandteil in gemischten Blattsalaten, in Smoothies oder als Pesto. Ältere Blätter können wie Spinat gedünstet werden, um die Bitterstoffe zu mildern.
Blüten: Verarbeitet zu Löwenzahngelee, -honig oder -sirup.
Wurzel: Getrocknet und geröstet ergibt sie einen koffeinfreien Kaffeeersatz.
Tipp: Die Bitterstoffe regen die Verdauung an und fördern die Leberfunktion.
Quellenangaben