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Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica)

Grünkohl ist ein äußerst nährstoffreiches, winterhartes Blattgemüse, das sich hervorragend für den ganzjährigen Anbau im Hydroponik-System eignet. Er gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und ist bekannt für seine gekräuselten, grünen bis violett-grünen Blätter.

Allgemeine Informationen

Merkmal
Botanischer Name Brassica oleracea var. sabellica
Pflanzenfamilie Kreuzblütler (Brassicaceae)
Wuchstyp Zweijährig, meist einjährig kultiviert
Wuchshöhe 40 - 90 cm, je nach Sorte
Herkunft Westeuropa, Mittelmeerraum
Besonderheiten Extrem kältetolerant, frost verbessert den Geschmack (Zuckerbildung), vielseitig in der Küche

Nährwerte (pro 100g)

Grünkohl ist ein wahres Superfood und besonders reich an:

  • Vitamin C (ca. 105 mg) – Stärkung des Immunsystems
  • Vitamin K (ca. 700 µg) – wichtig für die Blutgerinnung und Knochen
  • Vitamin A (ca. 500 µg) – gut für die Augen und Haut
  • Kalzium (ca. 210 mg) – für starke Knochen
  • Eisen (ca. 1,6 mg) – wichtig für den Sauerstofftransport im Blut
  • Ballaststoffe und Antioxidantien (z.B. Quercetin, Kaempferol)

Anbauhinweise für den Hydroponikgarten

System

Grünkohl eignet sich aufgrund seines kräftigen Wurzelsystems hervorragend für verschiedene Hydroponik-Systeme:

  • NFT (Nährstofffilm-Technik): Gut geeignet für junge Pflanzen bis zur mittleren Größe.
  • Deep Water Culture (DWC): Ideal für große Pflanzen mit viel Platz für die Wurzeln.
  • Ebb-Flut (Flut und Drain): Eine ausgezeichnete Wahl, da sie den Wurzeln viel Sauerstoff bietet.
  • Medienbasierte Systeme (z.B. mit Perlit oder Kokos): Bieten gute Stabilität für die großen Pflanzen.

Substrat (für Medienkultur)

Verwenden Sie ein inertes, gut drainierendes Substrat wie Perlit, Blähton (Hydrokörner) oder eine Mischung aus Kokosfasern und Perlit. Dies verhindert Staunässe und fördert die Sauerstoffversorgung der Wurzeln.

Nährlösung

Grünkohl ist ein Starkzehrer. Verwenden Sie eine ausgewogene Nährlösung, die speziell für Blattgemüse ausgelegt ist.

Phase EC-Wert (mS/cm) pH-Wert
Jungpflanzen / Stecklinge 0,8 – 1,2 5,5 – 6,0
Wachstumsphase 1,5 – 2,0 5,8 – 6,5
Erntephase 1,8 – 2,2 6,0 – 6,8

Achten Sie besonders auf einen ausreichenden Gehalt an Stickstoff (N) für das Blattwachstum und Kalzium (Ca), um Wachstumsstörungen (z.B. Blattrandnekrosen) vorzubeugen.

Aussaatzeitpunkte und Ernte

Grünkohl kann fast ganzjährig angebaut werden, wenn die Temperatur im System kontrolliert wird.

Phase Zeitpunkt / Dauer
Aussaat / Keimung Ganzjährig möglich (optimal: Frühjahr für Sommerernte, Sommer für Winterernte)
Keimdauer 5 – 10 Tage bei 18–22°C
Anzucht im System Nach der Keimung in Steinwolle oder Anzuchtsubstrat für 2–3 Wochen vorziehen.
Pflanzung ins Hauptsystem Wenn die Pflanze 4–6 echte Blätter hat.
Erntebeginn Ab ca. 8–10 Wochen nach der Keimung, sobald die Blätter kräftig und groß genug sind.
Erntemethode Von unten nach oben ernten: die äußeren, älteren Blätter abbrechen oder abschneiden. Das Herz der Pflanze bleibt intakt, um neues Wachstum zu ermöglichen.
Erntedauer Über mehrere Monate möglich, bis die Pflanze verholzt oder zu groß wird.

Wachstumsbedingungen

  • Licht: Grünkohl benötigt viel Licht (12–16 Stunden pro Tag). Bei unzureichendem Licht werden die Pflanzen lang und dünn (vergeilen). Verwenden Sie bei Bedarf Pflanzenlampen (z.B. Vollspektrum-LEDs).
  • Temperatur: Ideal ist eine Temperatur zwischen 15°C und 22°C. Grünkohl verträgt auch kühlere Temperaturen (bis ca. 5°C) gut. Temperaturen über 25°C können zu einem verstärkten Schädlingsbefall (z.B. Blattläuse) führen.
  • Luftzirkulation: Eine gute Luftzirkulation ist wichtig, um Pilzkrankheiten vorzubeugen. Ein kleiner Ventilator im Anbauraum ist empfehlenswert.

Schädlinge

Im Hydroponiksystem sind Schädlinge oft weniger problematisch, können aber dennoch auftreten.

  • Blattläuse: Häufigster Schädling. Sie sitzen meist auf der Blattunterseite.
  • Kohlweißling (Raupen): Die Raupen des Kohlweißlings fressen Löcher in die Blätter.
  • Spinnmilben: Treten bei trockener, warmer Luft auf. Erkennbar an feinen Gespinsten und gelbsprenkligen Blättern.
  • Trauermücken: Die Larven können in feuchten Substraten die Wurzeln schädigen, besonders bei jungen Pflanzen.

Krankheiten

  • Wurzelfäule (Pythium, Phytophthora): Wird durch stehendes, zu warmes Wasser oder schlechte Sauerstoffversorgung im Wurzelbereich verursacht.
  • Mehltau: Ein weißer, mehliger Belag auf den Blättern. Tritt oft bei schlechter Luftzirkulation und hoher Luftfeuchtigkeit auf.
  • Blattfleckenkrankheiten (Alternaria, Xanthomonas): Dunkle Flecken auf den Blättern.

Topfrotationsmöglichkeiten

In einem Hydrokultursystem versteht man unter Rotation den schrittweisen Austausch der Pflanzen. Nach der Ernte eines Grünkohls können Sie:

  • Das System reinigen: Entfernen Sie alle Wurzelreste gründlich.
  • Einen Starkzehrer folgen lassen: Nach Grünkohl (Starkzehrer) können Sie einen Schwachzehrer (z.B. Kräuter) pflanzen oder die Nährlösung für die nächste Kultur anpassen.
  • Eine andere Pflanzenfamilie wählen: Um die Ansammlung von Krankheitserregern zu vermeiden, sollten Sie nach einer Kreuzblütler-Pflanze (wie Grünkohl) nicht sofort wieder eine aus derselben Familie (z.B. Brokkoli, Kohlrabi) anbauen.

Nächste Kultur

Geeignete Folgekulturen im selben System sind:

  • Salate (z.B. Lollo Rosso, Eichblattsalat)
  • Kräuter (z.B. Petersilie, Koriander, Basilikum)
  • Spinat oder Mangold
  • Erdbeeren (im zweiten Jahr nach Grünkohl)

Pflegehinweise

  • Wasserstand: Überprüfen Sie täglich den Wasserstand und füllen Sie bei Bedarf mit kalkarmem Wasser (Umkehrosmose oder Regenwasser) auf.
  • Nährlösung wechseln: Tauschen Sie die Nährlösung alle 2–4 Wochen komplett aus, um Nährstoffungleichgewichte und Algenwachstum zu verhindern.
  • Beschneiden: Entfernen Sie regelmäßig vergilbte oder beschädigte Blätter. Ein Rückschnitt der äußeren Blätter fördert das Wachstum neuer Blätter aus der Mitte.
  • Unterstützung: Bei sehr großen Sorten kann eine leichte Stütze sinnvoll sein, um ein Umkippen der Pflanze zu verhindern.

Düngung

Die Düngung erfolgt über die Nährlösung (siehe EC-Werte). Verwenden Sie einen hochwertigen, wasserlöslichen Hydrokultur-Dünger, der alle Makro- (N, P, K, Mg, S, Ca) und Mikronährstoffe (Eisen, Mangan, Zink, etc.) enthält. Bei Verwendung von Osmosewasser kann ein spezieller Kalzium-Magnesium-Zusatz (CalMag) notwendig sein.

Schädlingsbekämpfung

Im geschlossenen Hydroponiksystem sollten Sie zuerst mechanische und biologische Methoden anwenden.

  • Mechanisch: Blattläuse und Raupen mit einem starken Wasserstrahl abspülen oder absammeln. Gelbtafeln helfen, Trauermücken und Blattläuse zu überwachen.
  • Biologisch: Einsatz von Nützlingen wie Schlupfwespen (gegen Trauermücken), Marienkäferlarven oder Florfliegenlarven (gegen Blattläuse).
  • Hausmittel: Eine Sprühlösung aus Wasser mit einem Tropfen Spülmittel und etwas Neemöl kann bei leichtem Befall helfen. Vorsicht: Nicht in die Nährlösung gelangen lassen!
  • Chemisch: Im Hydroponiksystem sind chemische Pestizide aufgrund der schnellen Aufnahme in die Pflanze und der möglichen Belastung des Wasserkreislaufs nicht zu empfehlen.

Zubereitung

  • Roh in Salaten: Junge, zarte Blätter passen hervorragend in grüne Smoothies oder als Basis für einen nährstoffreichen Salat. Vor dem Verzehr kurz massieren, um die Bitterstoffe zu reduzieren.
  • Gedünstet oder gebraten: Klassisch als Beilage, in Pfannengerichten oder als „Kohlchips“ im Ofen gebacken.
  • In Suppen und Eintöpfen: Grünkohl ist die Hauptzutat für deftige Gerichte wie Grünkohleintopf mit Pinkel (Bremer Küche).
  • Frost verbessert den Geschmack: Wenn möglich, ernten Sie Grünkohl nach dem ersten Frost, da die Kälte die Pflanze dazu anregt, Zucker einzulagern und die Blätter milder und süßer werden.

Quellenangaben

garten/pflanzen/gruenkohl.1774002546.txt.gz · Zuletzt geändert: von avitarus

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