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Rotkohl (Brassica oleracea var. capitata f. rubra)

Der Rotkohl, auch Blaukohl oder Rotkraut genannt, ist ein kräftiges, farbintensives Gemüse. In der Hydroponik stellt er aufgrund seines Platzbedarfs eine Herausforderung dar, belohnt den Gärtner aber mit farbenfrohen, nährstoffreichen Köpfen.

Allgemeine Informationen

Botanischer Name Brassica oleracea var. capitata f. rubra
Familie Kreuzblütler (Brassicaceae)
Herkunft Mittel- und Westeuropa, Mittelmeerraum
Wuchstyp Zweijährige, einjährig kultivierte Pflanze mit festem Kopf
Fruchttyp Dicke, blättrige Kopfbildung (Verdickung der Blätter)

Nährwerte je 100 g

Nährstoff Menge
Brennwert 28 kcal
Wasser 90 g
Kohlenhydrate 5,4 g
- davon Zucker 4,1 g
Ballaststoffe 3,0 g
Eiweiß 1,4 g
Fett 0,2 g
Kalium 240 mg
Vitamin C 50 mg
Vitamin K 80 µg
Anthocyane Je nach Sorte 150-300 mg

Anbauhinweise für den Hydroponikgarten

Rotkohl ist ein Mittelzehrer mit einem hohen Platzbedarf. Für die Hydroponik eignen sich am besten großvolumige Systeme, die den schweren Köpfen Halt bieten.

  • Systemwahl: Dutch-Bucket-Systeme oder große Einzeltöpfe in einer Flut- und Drainage-Anlage (Ebb & Flut) sind ideal. NFT-Systeme sind aufgrund der schweren Pflanzen und des großen Wurzelraums weniger geeignet.
  • Substrat: Eine Mischung aus Blähton und Kokosfasern oder Perlite bietet guten Halt und eine hohe Sauerstoffdurchlässigkeit. Steinwolle-Würfel (z.B. 15×15 cm oder größer) sind ebenfalls eine gute Wahl.
  • Pflanzabstand: Der Abstand zwischen den Pflanzen sollte mindestens 40-50 cm betragen, bei großen Sorten bis zu 60 cm, um eine gute Belüftung und ausreichend Platz für die Kopfentwicklung zu gewährleisten.

Aussaatzeitpunkte und Ernte

  • Aussaat/Vorkultur: Für eine Sommerernte im Februar/März in Anzuchtschalen vorziehen. Für eine Herbsternte oder Lagerung im Juli/August direkt im System oder in Anzuchttöpfen.
  • Keimung: Bei 15-20°C innerhalb von 6-10 Tagen.
  • Pflanzung ins System: Nach etwa 4-6 Wochen, wenn die Jungpflanzen 4-6 echte Blätter und einen kräftigen Wurzelballen haben.
  • Ernte: Je nach Sorte 15-20 Wochen (100-140 Tage) nach der Keimung. Der Kopf ist erntereif, wenn er sich fest und geschlossen anfühlt. Schneiden Sie den Kopf mit einem scharfen Messer direkt über der untersten Blattschicht ab.

Wachstumsbedingungen

Faktor Optimaler Wert / Bedingung
pH-Wert 6.0 - 6.8 (für eine optimale Nährstoffaufnahme)
EC-Wert (elektr. Leitfähigkeit) 1.5 - 2.0 mS/cm (während der Kopfbildung an der oberen Grenze)
Temperatur 15-20°C (Kühle Temperaturen fördern die Kopfbildung, Wärme >25°C kann zu Schossen führen)
Luftfeuchtigkeit 60-80 % (Regelmäßige Belüftung ist wichtig, um Pilzkrankheiten vorzubeugen)
Licht 12-14 Stunden direktes Licht. In der Anzuchtphase und bei schlechten Lichtverhältnissen ist eine zusätzliche Pflanzenlampe (z. B. LED) vorteilhaft.

Düngung

Verwenden Sie einen hydroponischen Dünger, der auf Blattgemüse oder Kohl abgestimmt ist. Rotkohl hat einen hohen Stickstoff- und Kaliumbedarf.

  • Wachstumsphase: EC-Wert um 1.5 mS/cm mit einem ausgewogenen Nährstoffverhältnis. Ein höherer Stickstoffanteil (N) fördert das Blattwachstum.
  • Kopfbildungsphase: EC-Wert auf 1.8 - 2.0 mS/cm erhöhen. Achten Sie auf einen erhöhten Kaliumanteil (K), um die Festigkeit des Kopfes zu unterstützen.
  • Calcium & Bor: Ein Mangel an Calcium kann zu Blattrandnekrosen führen, Bor-Mangel zu Wachstumsstörungen. Ein spezieller Kohl-Dünger deckt diesen Bedarf in der Regel ab.

Pflegehinweise

  • Platzierung: Stellen Sie die Töpfe so auf, dass die Blätter ausreichend Platz haben und sich nicht gegenseitig beschatten.
  • Blattpflege: Entfernen Sie regelmäßig vergilbte oder beschädigte äußere Blätter, um die Luftzirkulation zu verbessern und Krankheiten vorzubeugen.
  • Wurzelschutz: Achten Sie darauf, dass die Wurzeln nicht zu starkem Licht ausgesetzt sind (z.B. durch weiße Töpfe). Algenwachstum auf dem Substrat ist ein Zeichen für zu viel Licht im Wurzelbereich.
  • Temperaturstabilität: Vermeiden Sie große Temperaturschwankungen im Wurzelbereich, um Stress für die Pflanze zu reduzieren.

Schädlinge

Schädling Beschreibung Bekämpfung im Hydrokultur-System
Kohlweißling (Raupen) Grün-gelbe, behaarte Raupen, die große Löcher in die Blätter fressen. Regelmäßig absammeln. Pflanzenschutznetze vorbeugend anbringen. Biologische Mittel mit Bacillus thuringiensis einsetzen.
Blattläuse Kleine, grüne oder schwarze Insekten, oft an jungen Blättern und Triebspitzen. Mit einem starken Wasserstrahl abspülen, Nützlinge (Florfliegen, Marienkäfer) einsetzen oder mit Kaliseife besprühen.
Kohlfliege Die Larven fressen an den Wurzeln und im Strunk, was zu Wachstumsstillstand führt. Vorbeugend mit Kulturschutznetzen abdecken. Im Hydrokultur-System ist der Befall seltener, da die Wurzeln im Substrat geschützt sind.
Mehlige Kohlblattlaus Bläulich-weiße, mehlig überzogene Läuse, die sich an den Blattunterseiten sammeln. Befallene Blätter entfernen. Nützlinge wie Schwebfliegenlarven oder Marienkäfer einsetzen.

Krankheiten

Krankheit Beschreibung Vorbeugung und Maßnahmen
Kohlhernie Pilzerkrankung (Plasmodiophora brassicae), die zu knolligen, verformten Wurzeln und Welke führt. Im Hydroponiksystem sehr selten, wenn mit sauberem Substrat gearbeitet wird. Bei Verdacht: System und Töpfe gründlich reinigen.
Blattrandnekrose (Tipburn) Braun-schwarze, absterbende Blattränder an inneren Blättern. Keine Krankheit, sondern ein Calcium-Mangel, oft verursacht durch unregelmäßige Bewässerung oder falschen pH-Wert. pH-Wert stabil zwischen 6.0-6.5 halten und gleichmäßige Bewässerung sicherstellen.
Falscher Mehltau Gelbliche Flecken auf der Blattoberseite, grau-violetter Belag auf der Unterseite. Für gute Luftzirkulation sorgen, Blätter nicht übermäßig benetzen. Befallene Blätter sofort entfernen und entsorgen.
Weißer Rost (Albugo) Weiße, pustelartige Sporenlager auf Blattunterseiten und Blütenständen. Befallene Pflanzenteile großzügig entfernen. System gut belüften. Resistente Sorten bevorzugen.

Topfrotationsmöglichkeiten

Als Mittelzehrer hinterlässt Rotkohl das Substrat nicht völlig ausgelaugt, aber eine Reinigung und ein Substrataustausch sind nach der langen Kulturzeit (bis zu 20 Wochen) zu empfehlen.

  • Nach Rotkohl: Geeignet sind schwachzehrende, schnellwüchsige Kulturen wie Salate, Spinat oder Radieschen.
  • Ungeeignet: Andere Kreuzblütler (Kohlarten, Brokkoli, Radieschen) oder Starkzehrer mit ähnlichem Nährstoffprofil (z.B. Tomaten, Paprika) in derselben Nährlösung.

Nächste Kultur

Nach einer gründlichen Reinigung des Systems und einem kompletten Austausch der Nährlösung bieten sich für die Folgebepflanzung schnellwachsende Blattgemüse (Pflücksalat, Asia-Salate) oder Kräuter (Koriander, Dill) an, um die Saison oder die Anbaufläche optimal zu nutzen.

Schädlingsbekämpfung

Im Hydroponiksystem ist ein integrierter Pflanzenschutz besonders wirksam. Durch die kontrollierte Umgebung lassen sich viele Probleme frühzeitig erkennen.

  • Vorbeugung: Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten, gute Luftzirkulation, saubere Arbeitsgeräte und die Verwendung von zertifiziertem Saatgut.
  • Biologische Mittel: Bei Raupenbefall ist Bacillus thuringiensis sehr wirksam. Gegen saugende Insekten helfen Nützlinge, Neemöl oder Kaliseife.
  • Mechanische Maßnahmen: Absammeln von Raupen, Gelbtafeln zur Überwachung des Fluginsektenbefalls, Blätter mit Wasser abspülen.

Zubereitung

Rotkohl ist ein klassisches Wintergemüse, das sich durch seine vielseitigen Zubereitungsmöglichkeiten auszeichnet.

  • Klassisch als Beilage: Fein gehobelt und mit Apfel, Zwiebeln, Gewürzen (Nelken, Lorbeer) und Rotwein oder Essig geschmort.
  • Roh im Salat: Sehr fein geschnitten oder gehobelt, mit einem Dressing aus Zitrone, Öl, Salz und Nüssen oder Kernen.
  • Fermentiert: Als Grundlage für würziges Sauerkraut oder Kimchi.
  • Modern: Gegrillte Rotkohlsteaks mit Kräuterquark, als farbenfroher Bestandteil von Buddha-Bowls oder im Wok kurz angebraten.

Quellenangaben

garten/pflanzen/rotkohl.txt · Zuletzt geändert: von avitarus

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