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Winterblumenkohl (Brassica oleracea var. botrytis)

Der Winterblumenkohl ist eine robuste, kälteresistente Variante des klassischen Blumenkohls. Er wird im Spätsommer gepflanzt und überwintert im Freiland oder im unbeheizten Gewächshaus, um im folgenden Frühjahr geerntet zu werden. Durch seine lange Kulturdauer stellt er besondere Ansprüche an die Nährstoffversorgung im Hydroponiksystem.

Allgemeine Informationen

Botanischer Name Brassica oleracea var. botrytis
Familie Kreuzblütler (Brassicaceae)
Herkunft Mittelmeerraum, Kleinasien
Wuchstyp Zweijährige Pflanze (einjährig kultiviert)
Fruchttyp Zusammengesetzte Blütenknospen (die „Röschen“)

Nährwerte je 100 g

Nährstoff Menge
Brennwert 25 kcal
Wasser 92 g
Kohlenhydrate 3,0 g
- davon Zucker 1,9 g
Ballaststoffe 2,5 g
Eiweiß 1,9 g
Fett 0,3 g
Kalium 299 mg
Vitamin C 69 mg
Vitamin K 16 µg
Folsäure 57 µg

Anbauhinweise für den Hydroponikgarten

Winterblumenkohl ist ein Mittelzehrer mit einer sehr langen Kulturdauer von 5-8 Monaten. Für die Hydroponik eignen sich Systeme mit einem großen Wurzelraum und stabilen Nährstoffbedingungen.

  • Systemwahl: Dutch-Bucket-Systeme, großvolumige Flut- und Drainage-Anlagen oder tiefe Wasser-Kultur (DWC) mit ausreichendem Puffer. NFT-Systeme sind aufgrund der langen Kultur und des hohen Platzbedarfs weniger geeignet.
  • Substrat: Blähton, Steinwolle (Growwürfel auf Platten) oder eine Mischung aus Kokosfasern und Perlit bieten guten Halt und Stabilität.
  • Pflanzabstand: Da Winterblumenkohl große Köpfe bildet, benötigt er viel Platz. Rechnen Sie mit mindestens 50-60 cm Abstand zwischen den Pflanzen.

Aussaatzeitpunkte und Ernte

Die Terminierung ist das A und O für eine erfolgreiche Kultur.

  • Aussaat/Vorkultur: Von Mitte Juni bis Mitte Juli. Spätere Aussaaten führen zu kleineren Köpfen oder Ausfall.
  • Keimung: Bei 15-20°C innerhalb von 5-10 Tagen. Nach der Keimung kühler stellen, um Vergeilung zu vermeiden.
  • Pflanzung ins System: Ab Mitte Juli bis Anfang August, wenn die Jungpflanzen 4-6 Blätter haben und gut durchwurzelt sind.
  • Überwinterung: Die Pflanzen verlangsamen ihr Wachstum bei kühlen Temperaturen. Sie benötigen keinen Frostschutz, vertragen Temperaturen bis -10°C.
  • Ernte: Je nach Witterung von März bis Mai des Folgejahres. Die Köpfe werden geerntet, sobald sie fest und geschlossen sind, bevor sie anfangen aufzulockern.

Wachstumsbedingungen

Faktor Optimaler Wert / Bedingung
pH-Wert 6.0 - 6.8 (etwas höher als bei anderen Hydrokulturen, da es ein Kohlgewächs ist)
EC-Wert (elektr. Leitfähigkeit) 1.2 - 1.8 mS/cm (im Herbst niedriger, im Frühjahr moderat anheben)
Temperatur Optimal 15-20°C; Winterkultur bis -10°C tolerierbar. Vermeiden Sie über 25°C.
Luftfeuchtigkeit 60-80 % (gute Belüftung im Frühjahr gegen Pilzkrankheiten wichtig)
Licht Im Herbst 12-14 Stunden natürliches Licht. Im Winter benötigen die Pflanzen zusätzliches Licht (Pflanzenlampen, 10-12 Stunden), um die Qualität des Kopfes zu sichern.

Düngung

Verwenden Sie einen hydroponischen Dünger, der auf Blattgemüse oder Kohl ausgelegt ist. Der Nährstoffbedarf ändert sich im Jahresverlauf.

  • Jungpflanzen- und Wachstumsphase (Aug.-Okt.): EC-Wert um 1.2 - 1.4 mS/cm. Fokus auf ausgewogene Nährstoffversorgung mit einem höheren Stickstoffanteil für kräftiges Blattwachstum.
  • Winterruhe (Nov.-Jan.): EC-Wert auf 1.0 - 1.2 mS/cm senken. Gießen Sie sparsam, da die Pflanze kaum wächst. Die Nährlösung sollte nicht kalt (<12°C) sein.
  • Frühjahr (Feb.-Mai): EC-Wert langsam auf 1.6 - 1.8 mS/cm erhöhen. Achten Sie besonders auf ausreichend Kalium, Kalzium und Spurenelemente (Bor, Molybdän), um Kopfdeformationen zu vermeiden.

Pflegehinweise

  • Kühl halten: Hohe Temperaturen (>25°C) können dazu führen, dass die Pflanze vorzeitig schosst (Blütenbildung), ohne einen festen Kopf zu bilden.
  • Schutz vor Frost im System: Die Pflanze selbst ist frosthart, die Nährlösung in Schläuchen und Behältern aber nicht. Isolieren Sie die Tanks und Leitungen oder nutzen Sie einen beheizten Raum für die Technik, um ein Einfrieren zu verhindern.
  • Blattschutz: Die großen äußeren Blätter sollten nicht beschädigt werden, da sie den Blütenkopf schützen und als Energielieferant dienen.
  • Auflichten: Im Frühjahr können Sie einige der äußeren Blätter umknicken (nicht abbrechen), um den Kopf der Sonne auszusetzen. Das sorgt für eine schönere weiße Farbe.

Schädlinge

Schädling Beschreibung Bekämpfung im Hydrokultur-System
Kohlweißling Raupen, die große Löcher in die Blätter fressen. Im Frühjahr aktiv. Regelmäßig absammeln. Vorbeugend mit Kulturschutznetzen abdecken. Nützlinge: Schlupfwespen.
Blattläuse (v.a. Kohllaus) Kleine, gräuliche Läuse, die sich an Triebspitzen und Blattunterseiten sammeln. Mit einem starken Wasserstrahl abspülen, Nützlinge (Marienkäfer, Florfliegen) einsetzen oder mit Kaliseife besprühen.
Erdflöhe Kleine, schwarze Käfer, die viele kleine Löcher in die Blätter fressen. Vor allem bei Jungpflanzen gefährlich. Klebefallen, Bewässerung von oben, feuchte Bedingungen erschweren ihnen die Bewegung.
Kohlmottenschildlaus Kleine, weiße, fliegende Insekten mit einem wachsartigen Belag. Gelbtafeln zur Überwachung. Bei starkem Befall Pflanzenteile entfernen.

Krankheiten

Krankheit Beschreibung Vorbeugung und Maßnahmen
Kohlhernie (Plasmodiophora brassicae) Wucherungen und Verformungen an den Wurzeln; Pflanze welkt, auch bei ausreichender Wasserzufuhr. Vorbeugung ist entscheidend! Achten Sie auf einen pH-Wert über 6.5. Befallene Pflanzen sofort entsorgen, System und Substrat gründlich reinigen. Keine weiteren Kreuzblütler nachpflanzen.
Falscher Mehltau Gelbliche Flecken auf Blattoberseiten, weißer bis grauer Pilzrasen auf Unterseiten. Gute Luftzirkulation, Blätter nicht übermäßig benetzen. Befallene Blätter entfernen.
Blattfleckenkrankheit Braune bis schwarze Flecken mit konzentrischen Ringen auf den Blättern. Befallene Blätter entfernen. Für gute Luftzirkulation sorgen.
Kalziummangel Verbrennungen an den Blatträndern, innere Blätter oder der Kopf können braune Stellen aufweisen. Sicherstellen, dass der pH-Wert im optimalen Bereich liegt (Kalzium wird sonst nicht aufgenommen). EC-Wert im Frühjahr anpassen.

Topfrotationsmöglichkeiten

Winterblumenkohl ist ein Mittelzehrer und besitzt ein ausgedehntes Wurzelsystem. Nach der Ernte ist eine gründliche Reinigung und Substrataustausch anzuraten.

  • Nach Winterblumenkohl: Geeignet sind Starkzehrer wie Tomaten, Paprika oder Gurken, die von der vorbereiteten Systemstruktur profitieren können, sofern eine vollständige Reinigung erfolgte.
  • Ungeeignet: Alle anderen Kreuzblütler (Brassica-Arten) wie Brokkoli, Kohlrabi, Rosenkohl, um die Übertragung von Kohlhernie und anderen kohltypischen Krankheiten zu vermeiden.

Nächste Kultur

Nach einer gründlichen Reinigung des Systems mit einer milden Desinfektionslösung (z. B. Wasserstoffperoxid) können Sie das System für eine Sommerkultur mit Starkzehrern wie Tomaten, Paprika oder Gurken nutzen. Die üppige Infrastruktur für Rankhilfen eignet sich ideal für diese Kulturen.

Schädlingsbekämpfung

Bei der langen Kultur von Winterblumenkohl ist eine konsequente, vorbeugende Strategie wichtig. Vermeiden Sie chemische Pestizide, die Nützlinge schädigen oder die Nährlösung kontaminieren können.

  • Vorbeugung: Regelmäßige Kontrolle der Blattunterseiten und des Wurzelwerks. Gut gelüfteter Standort. Einsatz von Gelb- und Blautafeln zur Früherkennung.
  • Biologische Mittel: Einsatz von Nützlingen (Schlupfwespen gegen Kohlweißling, Marienkäfer gegen Blattläuse), Neemöl, Kaliseife.
  • Kulturelle Maßnahmen: Fruchtfolge einhalten (keine Kreuzblütler nacheinander im selben System). Alte Pflanzenteile vollständig entfernen.

Zubereitung

Winterblumenkohl ist im zeitigen Frühjahr eine Delikatesse. Sein Geschmack ist oft etwas nussiger und süßer als der von Sommerblumenkohl.

  • Als Gemüsebeilage: In Röschen geteilt und in Salzwasser gekocht oder gedämpft. Mit zerlassener Butter, Hollandaise oder einer Sauce Béchamel servieren.
  • Roh im Salat: Fein gehobelt oder in dünne Scheiben geschnitten mit einem Vinaigrette-Dressing und Kernen.
  • Überbacken: Mit Käse überbacken als Gratin oder als Hauptgericht.
  • Püriert: Als cremige Suppe, verfeinert mit Muskatnuss und Sahne.
  • Gebraten: Röschen mit Öl und Gewürzen im Ofen rösten oder in der Pfanne anbraten.

Quellenangaben

garten/pflanzen/winterblumenkohl.txt · Zuletzt geändert: von avitarus

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